Stadturlaub 2017 in Athen

Eine klare Nacht, ganz am Ende des Oktobers … Ich sitze an meinem Schreibtisch, hier am Loidholdhof und versuche, Worte zu finden, für etwas, das erst ein paar Wochen zurückliegt, für etwas, das sich vertraut angefühlt hat und gleichzeitig wie in eine andere Welt gehört. In diesem Spannungsfeld, zwischen Hier und Dort, Antike und Heute, griechischem Salat und Love Cake, Demeter und Hades, Getragen-Sein und Antrieb-Geben, zwischen Ewigkeit und Punkt haben wir fünf Tage gelebt. Gut gelebt. Sehr gut gelebt.

Vom 1. bis 5. Oktober 2017 waren wir, Manfred, Clemens, Peter, Vivian, Lukas, Günther H., Ariana, Victoria, Silke, Jasmin, Achim, Konrad, Elisabeth und ich in Athen. Mit Ausnahme von Victoria und mir sind wir eine Gruppe von erfahrenen Stadturlaubern gewesen. Fliegen, sich ein Stück vertrauten Alltag im Hotelzimmer in einem fremden Land schaffen, in einer Gruppe durch eine pulsierende Metropole schlendern, wandern oder suchen, einander dabei nicht aus den Augen zu verlieren, Kunstbetrachtungen in Museen, Fotos machen, Interesse haben und sich kleine Wünsche erfüllen, sich selber sein Getränk oder Essen bestellen, oder gar ein Souvenir kaufen … all das sind heute schon Früchte geworden, die wir aus den vielen vergangenen Stadturlauben ernten konnten, die das Fremde vertraut machen.


Wir hatten ein reiches Programm: die Altstadt von Athen, die Akropolis und das Akropolis-Museum, das Nationalmuseum und Eleusis mit dem Demeter-Heiligtum. Dank Achims Erläuterungen haben sich Sagen, Plastiken und Steine mit Leben gefüllt. Dank der Griechen haben sich unsere Bäuche mit leckerem Essen und die Herzen mit Lebensfreude gefüllt.

Jeder hat seine eigenen kleinen Wunder mit nach Hause genommen.
Meine waren der Himmel über Griechenland, den ich so weit wie selten sonst auf der Welt gesehen habe.
Zwischen der rotbraungrauen staubigen Erde, den antiken Säulen und dem blauen Himmel habe ich, vielleicht durch das besondere Licht und den Wind verstanden, woher der Mensch der griechischen Plastik seine leichte Aufrichte hat.
Es war Ehrfurcht, gemischt mit Demut von oben auf das Dionysos-Theater zu blicken, wo beinahe alle klas­sischen, griechischen Dramen uraufgeführt wurden.


Ich habe das Original der „denkenden Athene“ gesehen. Und meine Betrachtungen über das Zusammenwirken von Leib, Seele und Geist haben sich um ein tiefes Erleben entscheidend bereichert: nämlich durch das innere Verstehen, was es für die Entwicklung der Menschheit bedeutet hat, dass die Griechen den Menschen aus der Statik (Standbein) in die Bewegung (Spielbein) gebracht haben.
Demeter, Persephone, Hades, Zeus machen mir die Mysterien der Fruchtbarkeit auf eine zugleich ernsthafte und humorvolle Art zugänglich. Und menschlich.


… Nun spüre ich wieder den Schreibtischstuhl, auf dem ich sitze, der Mond dieser Nacht ist zwei Fenster weiter gewandert. Ich kehre zurück aus der griechischen Welt – beschenkt!
– Wir haben in fünf Tagen eine neue Gruppe geschaffen, unsere Urlaubsgruppe. Eine Gruppe auf Zeit, mit eigener Dynamik, respektvoll und sehr wertschätzend. Ein Kleinod? Ja! Bestimmt ein Kleinod!
– Bildung kann einfach geschehen. Nebenbei, leicht und doch zentral.
– Und … Mikis Theodorakis hat seinen Sirtaki auch für uns komponiert!


„Wir haben einen Streifen am Himmel gemacht.“ Mit unserem Flugzeug. Aber auch in unsere Erinnerungen. Die nicht so schnell verblassen werden.


Simone Koblentz-Hitsch, arbeitet seit 2015 im Wohnbereich und lebt seit 2017 am Loidholdhof

Saal im Loidholdhof für gemeinsame Tätigkeiten Saal im Loidholdhof zum inklusiven Zusammenleben Miteinander im Loidholdhof

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