2016 Die goldene Stadt Prag und die Burg Karlstein

Das Ziel unserer Reise war Prag, die goldene Stadt an der Moldau. Dieser Beiname bezieht sich darauf, da Kaiser Karl IV die Türme der Prager Burg mit Gold überziehen ließ und vielleicht auch darauf, weil Prag im Mittelalter ein Anziehungspunkt für Alchemisten war. Das Goldene Gässchen allerdings erhielt seinen Namen von den Goldschmieden und Goldmachern, die sich dort ansiedelten. Man kann heute noch die historischen Häuschen besichtigen.

Dieses Goldene Gässchen liegt gleich hinter der Prager Burg, die sich über ein ganzes Stadtviertel erstreckt. Vor der Prager Burg kann man der Burgwache in ihren auffälligen Uniformen beim stündlichen Wachwechsel zusehen. Nach dem Durchqueren des ersten und zweiten Burghofs erhebt sich im dritten Hof der Veitsdom, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Burg, in der römische Herrscher wie Karl IV oder Wenzel I bestattet sind. Die Georgsbasilika ist die am besten erhaltene Sehenswürdigkeit aus romanischer Zeit.

Das berühmteste Gebäude der Prager Altstadt ist das Altstädter Rathaus am Altstädter Ring, dem Stadtplatz. An dem Rathaus be ndet sich die „Astronomische Uhr“. Zu jeder vollen Stunde öffnen sich zwei blaue Fenster und es zeigen sich die zwölf Apostel mit ihren charakteristischen Attributen. Daneben läutet der Tod und nickt, der Türke schüttelt den Kopf, die Eitelkeit schaut in den Spiegel und der Geizhals schüttelt den Geldbeutel und droht mit dem Stock.

Nur ein paar Schritte von unserer Herberge entfernt liegt die Karlsbrücke, das Symbol Prags. Sie verbindet die Prager Kleinstadt mit der Altstadt und ist mit vielen Statuen geschmückt. Die Brücke ist zu jeder Tages­ und Nachtzeit sehr belebt, es wird musiziert und viele kleine Händler bieten ihre Waren an. Zudem genießt man von der Brücke eine wunderschöne Aussicht auf die Prager Burg, den Pulverturm und die vielen Boote auf der Moldau.

Wir besuchten die Akademie für Sozialkunst in der Stadt Tabor und die dazugehörige Initiative im Dorf Nova Ves, das mit Blick auf das Riesengebirge nordöstlich von Prag liegt. Nordwestlich von Prag gelegen, in der Nähe von Terezin, ehemals Theresienstadt, besuchten wir die Camphill Gemeinschaft Ceske Kopisty.

Der Höhepunkt unserer Reise war der Besuch der Burg Karlstein, die südwestlich von Prag gelegen ist. Die Burg steht auf einem Hügel in einem Tal, das von mehreren bewaldeten Höhen umgeben ist. Nur allzu leicht kann man am Tal vorbei­ oder sogar hindurchgehen, ohne auch nur einen Schimmer von Karlstein zu Gesicht zu bekommen. Selbst am richtigen Weg zeigt sich die Burg erst im letzten Augenblick, wenn steil über dem Besucher plötzlich die Burgmauern aufragen. Die Burg Karlstein wurde von Karl IV zur Aufbewahrung besonders heiliger Reliquien und der Krönungskleinodien des heiligen römischen Reiches errichtet. Nach einer Führung durch die Marienkirche mit Fresken der Apokalypse und dem Blick in die mit Edelsteinen ausgeschmückte Katharinenkapelle gelangten wir über eine steile Wendeltreppe in den großen Turm, der die Kapelle des heiligen Kreuzes beherbergt. Die Kapelle des heiligen Kreuzes ist ein einzigartiger Raum, die Wände sind mit Halbedelsteinen verkleidet und mit vielen Tafelbildern von Heiligen geschmückt, die Fensterbögen füllen Wandmalereien aus. Die wertvollen Reliquien und Krönungsinsignien ruhten einst hinter den goldenen Gittern oberhalb des Altars. Das Gewölbe der Kapelle stellt den Sternenhimmel mit Mond, Sonne und den fünf damals bekannten Planeten dar. Der Raum in dieser Pracht, erhellt von Kerzenlicht, musste dem damaligen Betrachter wie der Himmel, wie das Neue Jerusalem vorgekommen sein.

Im Anschluss an dieses Erlebnis besuchten wir ganz in der Nähe eine gerade entstehende Schulinitiative mit Blick auf den Karlstein. Bei der Rückfahrt verschwand die Burg ebenso plötzlich zwischen den bewaldeten Hügeln wie sie erschienen war.

Auf der Heimfahrt nach Österreich machten wir noch eine Pause in der südböhmischen Stadt Tabor, um dort mit Geschichten von der bewegten Epoche von Jan Hus, den hussitischen Kämpfen und dem Streben der Böhmischen Brüder das neu entstandene Bild über unser Nachbarland abzurunden.

Tanja Wakolbinger lebt am Loidholdhof und arbeitet seit 2009 in der Gärtnerei.