2015 Dresden und die Ostsee

Es ist mittlerweile schon einige Jahre her, dass wir es zum ersten Mal wagten, bei unseren gemeinsamen Urlauben auch einen Sprung über die Grenzen unseres schönen Österreichs zu machen.

Seither hat sich unser geographischer Horizont beträchtlich erweitert: Wir waren in Slowenien und in Kroatien am Meer, haben den Papst im Vatikan besucht, haben die Amsterdamer Grachten befahren, den Eiffelturm und den Berliner Reichstag erklommen, wir waren im Burgund und haben Michelangelos Werke in Florenz bestaunt, wir habe die Türkei und sogar Russland bereist und schließlich noch das Stadion des FC Barcelona und Gaudis „Sacrada Familia“ gesehen.

Dieses Jahr hat uns unsere Reise nach Dresden und an die Ostsee geführt. Und wiederum war es spannend, eine Stadt kennen zu lernen, die im Zweiten Weltkrieg praktisch vollständig dem Erdboden gleichgemacht wurde, danach wieder aufgebaut und Teil des „Ostens“ wurde, schließlich die Trennung überwunden hat und heute zum so begehrten Deutschland gehört. Wir standen vor Raffaels „Sixtinischer Madonna“ und in der wiederaufgebauten Frauenkirche.

Weltkultur und Weltgeschichte zum Greifen nahe. Danach haben wir noch einen „Abstecher“ an die Ostsee, genauer nach Heringsdorf zu den „Kaiserbädern“ gemacht. Auch hier konnte man die Geschichte atmen durch die vielen Villen, die heute in neuem Glanz erstrahlen und ahnen lassen, wie herrschaftlich zu Kaisers Zeiten dort die Sommerfrische verbracht wurde. Wir ließen uns gerne davon anstecken und haben nach Kräften aniert und diniert.

Es ist wunderschön zu beobachten, wie unsere betreuten Kollegen (und wahrscheinlich auch wir selbst) eine Routine und Selbstverständlichkeit im Reisen und auch im Umgang mit mehr oder weniger fremden Kulturen entwickeln. Eine Reise mit dem Flugzeug oder mit der Bahn bereitet nieman- den mehr schla ose Nächte. Bei einem Kellner, der unsere Sprache nicht spricht, ein Menü zu bestellen, funktioniert mit bewundernswerter Leichtigkeit und ich kenne persönlich niemanden, der mehr kulturelle Schätze von Weltrang gesehen hat als meine betreuten Kollegen. Bei unseren Reisen tritt aber auch deutlich zu Tage – wir sind ein Teil der widersprüchlichen Welt: Flüchtlinge und Urlaubsreisende im selben Zug! Gleichzeitig ist es bemerkenswert, wie gut wir eigentlich überall aufgenommen werden.

Und gerade dies erscheint mir als der wichtigste Teil unserer „Bildungsreisen“: die persönliche Begegnung mit Menschen und die Möglichkeit, sich selbst ein Bild machen zu können von Ländern und Kulturen, die man sonst meist nur aus den Nachrichten kennt. Was haben wir dadurch für Bilder von Deutschland, Russland, der Türkei oder Frankreich? Wir halten dagegen: Die persönliche Begegnung. Von Mensch zu Mensch.

Konrad Grünberger arbeitet seit 2003 in der Landwirtschaft am Loidholdhof. Er ist Mitglied im Hofleitungsteam.

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