2010 Kultur- und Kunstreise ins romanische Burgund

Unsere diesjährige Kunstreise führte uns nach Burgund, in einer der wichtigsten Kunst- und Kulturlandschaften Mitteleuropas und mittten im Herzen Frankreichs. Unser Hauptinteresse galt den zahlreichen Klöstern und Kirchen der Romanik, aber auch den besonderen Kunstschätzen der Gotik und Renaissance.

Die Mönche von Cluny sollen einmal von ihrer Kirche behauptet haben, es lese sich da die Messe, „wie wenn man alle Tage Ostern feierte“. Diese Mönche hatten, wie zahlreiche Menschen um die Jahrtausendwende, die sichere Empfindung vom Mysterium des Todes und dessen Überwindung durch das Geheimnis der Auferstehung. Sie waren deshalb von einer unermesslichen Sehnsucht erfüllt Stätten zu schaffen, an denen dieses Ostermysterium beständig erlebbar und für die Menschen gegenwärtig werden kann. Durch ihre innige Verbindung mit dem Geiste der Urchisten kämpften sie von ganzem Herzen um den Fortbestand eines österlichen, von der Auferstehung durchdrungenen Christentums, das sie dazumal schon als gefährdet ansehen.

Das Burgund ist förmlich übersät von romanischen Kapellen, Kirchen und Kathedralen, die dem Besucher heute noch in einer einzigartigen Weise von dieser Botschaft künden. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass das kleine Burgund eines der bedeutendsten christlichen Pilgerziele im frühen Mittelalter war und (mit Unterbrechungen) seine Faszination und Anziehungskraft bis in die Gegenwart aufrechterhalten konnte.

Uns Kulturreisende vom Loidholdhof (dieses Jahr waren wieder fast die Hälfte unserer betreuten Mitarbeiter mit dabei) führte die Anreise zunächst in die Schweiz, wo wir als erste Station das Goetheanum besucht haben. Bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts versuchte dort Rudolf Steiner, ganzheitliche und „menschengemäße“ Ansätze in moderne Architekturformen aus Holz und später Beton zu integrieren. Nach einer Mahlzeit im berühmten Speisehaus des Goetheanums ging es am selben Tag noch weiter nach Meursault, wo wir auf einem idyllischen Weingut – dem Château-de-la-Velle – unser herrliches Quartier bezogen. Von dort aus und im Rahmen von Tagesausflügen (mit den eigenen Bussen) haben wir dann unser reichhaltiges Besichtigungsprogramm unternommen. So konnten wir im bezaubernden Städtchen Beaune das mittelalterliche Spital „Hotel-Dieu“ mit dem „Jüngste Gericht“ Rogier van der Weydens kennenlernen. Im kleinen Örtchen Taizé haben wir die ökumenische Gemeinschaft des 2005 ermordeten Frère Roger besucht und konnten dort einen Gottesdienst mit- erleben. In Cluny sind wir auf die fantasieanregenden und geschichtsträchtigen Ruinen des bis zum Bau von St.Peter größten Kirchenbaus der Christenheit und damaligen Zentrum des klösterlichen Lebens gestoßen. Wir besuchten die Wallfahrtskirchen Sacré-Cœur in Paray-le-Monial, Saint-Lazare in Autun, und die frühromanische Abtei St. Philibert in Tournus. Wir waren in der wohl schöns- ten romanische Kathedrale St.Madeleine in Vézelay, im Städtchen Dijon, der Wirkungsstätte des berühmten mittelalterlichen Bildhauers Claus Sluter und in Colmar, wo wir den Isenheimer Altar des Mathias Grünewald in Colmar bewunderten.

Abseits der Kulturstätten – beim gepflegten Essen im Restaurant, beim Einkauf und Bummel durch die idyllischen Dörfer und Städtchen oder beim gemeinsamen Kochen, Spielen und Entspannen im herrlichen Quartier – gab es zahlreiche Gelegenheiten, um das soziale Miteinander und die Zeit füreinander zu pflegen und zu genießen. Wie in den Vorjahren z. B. in Rom, Amsterdam, Paris, Berlin, durften wir die ausgesprochene Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der heimischen Bevölkerung erfahren und kehren angeregt durch die „französische“ Lebensart und erfüllt mit neuen Eindrücken an den Loidholdhof nach St. Martin zurück.

Achim Leibing arbeitet seit 1999 in der Landwirtschaft. Er ist Mitglied im Hofleitungsteam und Hofsprecher. Seit 1999 lebt er am Loidholdhof.

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